Auch beim Geld ist die Zukunft digital. Facebook geht voran.

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Auch beim Geld ist die Zukunft digital. Facebook geht voran.

Facebook möchte mit seiner neuen digitalen Währung Libra zum internationalen Finanzplayer aufsteigen. Das soziale Netzwerk hat angekündigt, zusammen mit anderen Unternehmen eine eigene Kryptowährung mit dem Namen Libra herauszugeben.

Außergewöhnlich ist, dass sich viele sehr große Unternehmen, die untereinander auch teilweise im Wettbewerb stehen, dafür zusammengeschlossen haben. Facebook ist hier „nur“ die initiale und treibende Kraft in der Gesellschaft, die den Libra Coin herausgeben und verwalten wird. Ihr Ziel ist es, eine globale, stabile Währung für jedermann zu erschaffen. 

Sogar die Deutsche Bundesbank steht dem Thema positiv gegenüber. Wie Libra aufgebaut ist und welche Merkmale Facebooks neueste Ankündigung ausmachen, erfahren Sie in diesem Artikel.

Was ist eigentlich Libra und was hat es mit Kryptowährungen zu tun?

Libra ist das englische Wort für das Sternzeichen der Waage. Es bedeutet Gerechtigkeit. Der Wortstamm lib, beispielsweise in romanischen Wörtern wie liberty oder liberté wiederzufinden, erweckt den Eindruck, dass es hier auch um Freiheit geht.

Libra verspricht die Freiheit von bestehenden Bankensystemen. Es soll eine Gerechtigkeit geschaffen werden zwischen Menschen, die ihr Geld durch „redliche“ Arbeit verdienen, und Spekulanten, die an Finanzmärkten virtuelles Geld produzieren. Damit will Facebook eine eigene Währung für alle Menschen auf der Welt schaffen.

Um Libra verwenden zu können, wird kein Facebook-Konto nötig sein. Die Währung soll zugänglich sein für jedermann – für Einzelindividuen, Unternehmen, Banken, Organisationen und Staaten. Der Kauf von Libra erfolgt in der jeweiligen Landeswährung. Weltweit Geld zu verschicken und zu speichern wäre damit so einfach, günstig und schnell wie das Senden und Empfangen eines Fotos per Mail oder per SMS bzw. WhatsApp-Nachricht.

Libra ist eine Kryptowährung, die auf der Blockchain-Technologie basiert. Wenn ein Libra ausgegeben wird, löst dies auf der Libra-Blockchain eine Transaktion aus. 

EXKURS: Blockchain (oder „Distributed Ledger“) einfach erklärt.

Eine Blockchain ist mit einer Art Kassenbuch zu vergleichen, in dem unter anderem gespeichert wird, wie viele digitale Münzen (z.B. Libra) wann ihren Besitzer gewechselt haben und wer wie viele digitale Münzen besitzt.

Allerdings findet dieser Prozess nicht in einem einzigen Computer-Kassenbuch statt, sondern auf vielen Kopien des einen Kassenbuchs gleichzeitig. Daher der Ausdruck „Distributed Ledger“ – verteiltes Kassenbuch.

Das bedeutet, dass kein zentraler Knotenpunkt existiert, sondern alle „User“ der Blockchain dezentral eine Kopie vom „Kassenbuch“ erhalten und untereinander stetig aktualisieren. 

Und wer steckt hinter „Libra“?

Hinter Libra steckt nicht allein Facebook, sondern die zu diesem Zweck eigens gegründete Organisation „Libra Association“. Die Libra Association ist eine nicht gewinnorientierte, unabhängige und gemeinnützige Mitgliederorganisation mit Hauptsitz in Genf.

Zweck der Association ist die Koordination und Bereitstellung eines Fundaments zur Steuerung des Netzwerks und der Reserve an Libra Coins – unabhängig von Facebook. Somit hat Facebook keinen Zugriff auf die Daten der Libra-Nutzer. Die Mitglieder der Libra Association sind diverse Unternehmen, gemeinnützige und multilaterale Organisationen sowie akademische Institute aus der ganzen Welt.

Zu den „Gründungsmitgliedern“ zählen Zahlungsdienstleister (z.B. Mastercard, PayPal und Visa), Unternehmen aus „Technologie und Märkte“ (z.B. eBay, Facebook, Spotify, Uber Technologies), Telekommunikations-Unternehmen (z.B. Vodafone) sowie Firmen aus der „Blockchain“-Branche (z.B. Coinbase, eine 2012 gegründete und heute weltweit sehr bedeutende Handelsplattform für Kryptowährungen).

Bis zum anvisierten Start im 1. Halbjahr 2020 hofft die Libra Association, dass sie 100 Mitglieder zählen wird. Derzeit sind es knapp 30.

Welche positiven und negativen Merkmale hat Libra?

Ein Grundbaustein des Konzepts Libra ist es, eine globale und stabile Währung für jedermann zu schaffen. Die Mehrheit der Menschen weltweit hat keinen Zugang zu Finanzsystemen. Dritte- und Vierte-Welt-Länder bieten oftmals nicht einmal die Möglichkeit, ein Bankkonto zu eröffnen. Jedoch verfügt ein Großteil dieser Menschen über ein Smartphone, welches ein Einstiegskriterium für Libra ist. Beispielsweise wäre es für jemanden ohne Bankkonto möglich, sich gegen Bargeld von einem Bekannten, der Libra besitzt, diese per WhatsApp schicken zu lassen. Mehr und mehr Menschen, auch aus industrieschwachen Ländern, könnten sich so dem Weltmarkt anschließen.

Libra könnte zudem wirtschaftliche Sicherheit für währungsschwache Länder bieten. Als sogenannter „Stable Coin“ soll Libra fest an mindestens vier stabile FIAT-Währungen, wie z.B. den US-Dollar, den Schweizer Franken oder den Euro, gekoppelt werden.

Ein weiterer Vorteil für Unternehmen aller Größen ist die Kombination von Libra mit den Facebook-eigenen, sozialen Apps und deren weltweite Verbreitung. Schon heute nutzen Millionen von Unternehmen weltweit die eigene Facebook- und/oder Instagramseite, um ihre Produkte und Dienstleistungen zu verkaufen. Mit Libra käme ein einheitliches und integriertes Bezahlmittel hinzu.

Es gibt auch Kritik.

Facebook und weitere Mitglieder der Libra Association (z.B. Mastercard oder Uber) sind Unternehmen des sogenannten „Überwachungskapitalismus“. Das bedeutet, dass sie ihr Geld auch damit verdienen, das Wissen über ihre Kunden nicht nur zur eigenen Produktverbesserung zu analysieren, sondern dieses Wissen teilweise auch weiterzuverkaufen – allen voran Facebook selbst.

Zwar gibt es ein offizielles Versprechen der Libra Association, dass man die Kunden nicht ausspionieren möchte – das Problem ist nur, dass diese Unternehmen hier wenig Vertrauen genießen.

Libra hat Potenzial, muss sich aber erst beweisen.

Abschließend lässt sich sagen, dass Libra vor allem großes Potenzial in den Bereichen Währungsstabilität und Innovation mit sich bringt und somit viele Probleme gegenwärtiger Geldsysteme beseitigen könnte.

Für Unternehmen bietet das neue Bezahlsystem Wachstumschancen bei der Vergrößerung der Reichweite für den Vertrieb eigener Produkte und Dienstleistungen. Transaktionsgebühren, die derzeit im länderübergreifenden Geldverkehr noch eine große Rolle spielen, könnten damit der Vergangenheit angehören.Trotzdem ist Vorsicht geboten.

Das derzeit noch fehlende Vertrauen in die Mitglieds-Unternehmen der Libra Association in Bezug auf Datensicherheit muss sich erst entwickeln. Mit entsprechenden Gesetzen und Regeln müsste sich aber auch dieses Defizit beheben lassen. Die Deutsche Bundesbank jedenfalls sieht diese Entwicklung positiv.

Alle Beiträge im Überblick:

Beitrag 1: Digitalisierung im Handwerk.

Beitrag 2: Auch beim Geld ist die Zukunft digital. Facebook geht voran (dieser Beitrag)

Beitrag 3: Digitalisierung und ihre Auswirkungen auf die Berufsbilder im Handwerk

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