Unternehmensnachfolge

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Unternehmen Zukunft: Wer folgt nach?

Der demografische Wandel beschäftigt die Wirtschaft bereits seit vielen Jahren. Zunehmend wird es schwieriger, Fachkräfte für Schlüsselpositionen zu rekrutieren und den Unternehmenserfolg damit zu sichern. Ein recht ähnliches Bild zeigt sich in familiengeführten Betrieben. Denn auch hier scharrt der Nachwuchs nicht immer mit den Hufen, um selbst den Chefsessel zu erklimmen.

Uropa war Handwerker, Opa war Handwerker, Papa ist Handwerker und Tochter oder Sohn? Vielleicht bleibt die nächste Generation dem Beruf treu, möglicherweise möchte sie aber auch einen ganz eigenen Weg einschlagen. Selbst gutsituierte Betriebe können die Nachfolge nicht immer in der eigenen Familie regeln, selbst wenn das handwerkliche Know-how vorhanden ist. Die innerfamiliären Fußstapfen können ebenso verlocken wie die Unabhängigkeit von möglichen Arbeitgebern, dennoch liegt die Entscheidung beim Nachfolger selbst und kann nur schwer beeinflusst werden. Welch ein schwerer Rucksack das unternehmerische Risiko sein kann, haben viele Betriebe allerdings gerade in der Corona-Pandemie zu spüren bekommen. Wenn irgendwo zwischen Lockdown und pandemiebedingter Quarantäne wichtiger Mitarbeiter auch noch die Betreuung der Kinder geregelt werden muss, ist der Stress vorprogrammiert.

Unser Artikel „Vererben oder verkaufen?“ aus dem Newsletter 09/2021 geht bereits auf dieses Thema ein, das wir auch in der Zukunft weiterverfolgen werden.

„Opa hat es auch immer hinbekommen. Und damals waren die Zeiten viel schlimmer als heute!“ Auf viele junge Menschen, die vor der richtungsentscheidenden Frage stehen, wirkt ein solcher Satz fast wie ein Vorwurf. Keine Frage, die Lebensleistung des Großvaters ist unstrittig und seine Erfolge wirken bis in die heutige Zeit nach. Und hat Opa den Betrieb nicht auf Kosten seiner eigenen Gesundheit aufgebaut? Heute mag die körperliche Arbeit ein geringeres Problem sein als in früheren Zeiten, doch die psychische Belastung hat in vielen entscheidenden Bereichen zugenommen. Der Konkurrenzdruck ist so groß wie nie, der bürokratische Aufwand türmt sich, entgegen allen Worten aus der Politik, zu einem gewaltigen Berg auf und die Personal- und Materialknappheit lässt so manchen Handwerker schlecht schlafen. Umso verlockender klingt da das Angebot des Industriebetriebs aus dem Nachbarort: Ein geregelter 8-Stunden-Job, 14 Monatsgehälter und eine hauseigene Kita sind durchaus übliche Parameter, mit denen auch Fachkräfte aus Familienunternehmen abgeworben werden.

Haben Familienbetriebe noch eine Zukunft?
Betrachtet man das Handwerk insgesamt, so muss einem nicht bange werden. Die Stiftung für Familienunternehmen wollte in einer aktuellen Studienreihe wissen, wie es um die Nachfolgebereitschaft in den familiär geführten Betrieben aussieht. Das Friedrichshafener Institut für Familienunternehmen (FIF) hat dazu Befragungen durchgeführt und kommt zu Ergebnissen, die Anlass zu vorsichtigem Optimismus geben. Demnach ist eine mögliche nächste Unternehmergeneration besser ausgebildet als jede vorangehende. Gleichzeitig ist die klassische Hierarchie in den Betrieben einer deutlich flexibleren Aufstellung von Schlüsselpositionen gewichen. Die Nachfolge muss also nicht zwingend bedeuten, dass diese künftig die Geschicke des Unternehmens vollkommen eigenständig lenkt. Je nach Unternehmensgröße gibt es vom Gesellschafter über den Beirat bis hin zum Geschäftsführer unterschiedliche Tätigkeitsfelder, die es kompetent zu besetzen gilt.

Lang gepflegte Scheuklappen werden dabei zunehmend abgelegt, wie sich aus der Umfrage ergibt. So sind nur noch 29 Prozent der Befragten der Ansicht, der Geschäftsführer müsse zwingend aus der Gesellschafterfamilie stammen. Dieser Wert lag vor zehn Jahren noch um 4,3 Prozent höher. Noch deutlicher wird der Wandel, wenn es um die Köpfe geht. Vor zehn Jahren waren noch 35 Prozent der Befragten der Ansicht, dass die Nachfolge nur durch ein einziges Familienmitglied angetreten werden könne. Inzwischen ist dieser Wert auf 22 Prozent gesunken, während satte 61,2 Prozent ein Team aus Familienmitgliedern und Nicht-Mitgliedern in der Zukunft an der Spitze des Unternehmens sehen.

Fast immer bedeutet ein Generationswechsel an der Spitze von Familienunternehmen heute an vielen Stellen einen frischen Wind. Das muss zwar nicht bedeuten, das gesamte Unternehmensgefüge auseinanderzunehmen. Trotzdem müssen die Anforderungen der Zukunft mit neuen Ideen beantwortet werden. Die Digitalisierung wird dabei von 75 Prozent der befragten Unternehmen genannt, 62 Prozent nennen die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle als wesentliche Aufgabe der neuen Betriebsleitung. Und nur wenige betrachten die Lenkung eines Familienunternehmens einfach nur als einen Job: 83 Prozent der Befragten gaben an, ihre Tätigkeit mit einem reinen Gewissen ausüben zu wollen, und 90 Prozent erklären es als ihr Ideal, „so zu leben, dass der Mitmensch nicht geschädigt wird“. Stefan Heidbreder, Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen, zieht daraus ein optimistisches Fazit: „Allen Unkenrufen zum Trotz steht eine Generation von Unternehmern zur Verfügung, die bereit und in der Lage ist, Verantwortung zu übernehmen.“

Fast immer bedeutet ein Generationswechsel an der Spitze von Familienunternehmen heute an vielen Stellen einen frischen Wind. Das muss zwar nicht bedeuten, das gesamte Unternehmensgefüge auseinander zu nehmen. Trotzdem müssen die Anforderungen der Zukunft mit neuen Ideen beantwortet werden. Die Digitalisierung wird dabei von 75% der befragten Unternehmen genannt, 62% nennen die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle als wesentliche Aufgabe der neuen Betriebsleitung. Und nur wenige betrachten die Lenkung eines Familienunternehmens einfach nur als einen Job: 83% der Befragten gaben an, ihre Tätigkeit mit einem reinen Gewissen ausüben zu wollen und 90% erklären es als ihr Ideal „so zu leben, dass der Mitmensch nicht geschädigt wird“. Stefan Heidbreder, Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen, zieht daraus ein optimistisches Fazit: „Allen Unkenrufen zum Trotz steht eine Generation von Unternehmern zur Verfügung, die bereit und in der Lage ist, Verantwortung zu übernehmen.“

So wird der Betrieb fit für die Zukunft
Nicht alle Weichen müssen bereits heute gestellt werden. Einige liegen in so ferner Zukunft, dass sie heute nicht einmal schemenhaft zu erkennen sind. Man kann trotzdem nicht früh genug damit beginnen, grundlegende Richtungsentscheidungen zu treffen. Die Nachfolge ist dabei ein elementares Thema, das möglichst objektiv betrachtet werden muss. Wenn das Interesse oder die Qualifikation nicht da sind, müssen die Geschicke des Betriebes nicht zwingend in der eigenen Familie weitergeführt werden. Dies muss allerdings nicht das Ende des Betriebes oder die Veräußerung in unbekannte Hände bedeuten. Unter den Mitarbeitern oder im nahen Umfeld zahlreicher Unternehmen finden sich so kompetente wie motivierte Leute, die gerne Verantwortung übernehmen und den Familienbetrieb im Sinne der früheren Generationen weiterführen können. Dies ist auch ganz im Sinne der Gesellschaft und der Politik, daher werden Nachfolgerinnen und Nachfolger durch die KFW gefördert. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz stellt zudem online Checklisten zur Verfügung die aufzeigen, worauf es bei der Unternehmensnachfolge wirklich ankommt.

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