Interview mit Martin Giehl und Martin Sattler

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Die Energiewende als Gemeinschaftsprojekt

Die Energielandschaft im Rhein-Main-Gebiet befindet sich in einem historisch rasanten Wandel. Zwischen dem massiven Ausbau der Fernwärme, der voranschreitenden kommunalen Wärmeplanung und den Herausforderungen durch den Fachkräftemangel wird eine enge Zusammenarbeit zwischen Energieversorgern und dem regionalen Handwerk wichtiger denn je.

Mit Martin Giehl hat die EGRM einen neuen Vorstandsvorsitzenden, der sich in dieser Rolle primär als Brückenbauer sieht: Er möchte die strategischen Leitplanken eines großen Versorgers mit der praktischen Realität auf den Baustellen verknüpfen. Gemeinsam mit Geschäftsführer Martin Sattler, der die Geschicke der Gemeinschaft bereits seit 2021 leitet, geben beide im Doppel-Interview exklusive Einblicke in die Ziele der kommenden drei Jahre:

Martin Giehl und Martin Sattler im Gespräch

 

Herr Giehl, herzlichen Glückwunsch zur Wahl des Vorstandsvorsitzenden der EGRM! Als Vorstandsmitglied der Mainova AG sind Sie für die Bereiche Energiehandel, Erzeugung sowie Vertrieb zuständig. Was hat Sie gereizt, den Vorsitz der EnergieGemeinschaft RheinMain zu übernehmen?

„Vielen Dank! Die EnergieGemeinschaft RheinMain verbindet das regionale Handwerk mit dem größten Energieversorger der Region – das ist eine einmalige Plattform, die ich mit großem Respekt übernehme. Die EGRM steht für Regionalität, Praxisnähe und die gemeinsame Umsetzung der Energiewende vor Ort. Mich reizt dabei besonders die Rolle als Brückenbauer: Die Transformation unserer Energieversorgung gelingt nur, wenn Planer, Netzbetreiber, Handwerk und Versorger eng zusammenarbeiten. Die Themen, für die ich bei Mainova verantwortlich bin – Erzeugung, Fernwärme, Energiehandel und die Vertriebe – spielen dabei eine zentrale Rolle. Über die EGRM können wir Herausforderungen aus der Praxis frühzeitig aufgreifen, gemeinsam nutzbare Lösungen entwickeln und nachhaltige Technologien wie Fernwärme, Contracting oder PV-Anwendungen noch besser in die Fläche bringen.“

In Düsseldorf waren Sie für Smart City zuständig. Wie viel „Smartness“ verträgt das Rhein-Main-Gebiet aktuell, und welche Rolle spielt die EnergieGemeinschaft dabei, moderne Technologien in die Fläche zu bringen?  

„Das Rhein-Main-Gebiet hat enormes Potenzial – von intelligenter Verbrauchssteuerung über Smart-Meter-Rollouts bis hin zu digitalisierten Wärmenetzen. Gleichzeitig gilt: Smart City funktioniert nur, wenn die Umsetzung nah bei den Menschen passiert. Genau hier spielt die EGRM eine Schlüsselrolle. Die Handwerksbetriebe sind diejenigen, die Technologien beim Kunden installieren, konfigurieren und erklären. Unsere Aufgabe als EGRM ist es, diesen Wissenstransfer zu beschleunigen – durch praxisorientierte Schulungen und technische Übersicht über moderne Lösungen im Bereich Photovoltaik, Wärmepumpen, Ladeinfrastruktur und Fernwärme. Gemeinsam bringen wir Innovation nicht nur in die Stadtkerne, sondern in die gesamte Region.“

Ihr Ressort bei Mainova umfasst u.a. den Bereich Erzeugung und Fernwärme. Wir stecken mitten in der kommunalen Wärmeplanung. Wie kann die EnergieGemeinschaft hier als Brücke zwischen den großen Versorgungsstrategien und der Umsetzung vor Ort dienen?  

„Mainova investiert massiv in den Ausbau der Fernwärme, in neue Erzeugungsanlagen und in moderne Netzinfrastruktur, um die regionale Energiezukunft abzusichern. Doch jedes Netz, jede Anlage, jedes neue Anschlusskonzept muss vor Ort ausgeführt werden. Die EGRM verbindet die großen strategischen Leitplanken mit der Realität der Baustellen. Das Handwerk bekommt von uns technische Hilfestellungen, Schulungen und Schnittstellen-Know-how – und wir als Versorger erhalten frühzeitig Rückmeldungen zu Herausforderungen in der praktischen Umsetzung. Dadurch sorgen wir gemeinsam für eine realistische, regional passende und erfolgreiche Wärmeplanung.“

Herr Sattler, Sie führen die Geschäfte der EnergieGemeinschaft bereits seit 2021. Was versprechen Sie sich von der engen Verzahnung in der Zusammenarbeit mit Martin Giehl an der Spitze der EGRM?

„Ganz klar: einen intensiveren und strukturierten Austausch zwischen dem regionalen Handwerk und der Mainova. Die EGRM ist per Definition die Verbindung zwischen Handwerk und Versorger – wir sind eine Plattform, die Wissen, Schulungen und Austausch fördert. Mit Martin Giehl gewinnen wir einen Vorsitzenden, der aus seinem Vorstandsbereich heraus direkten Zugang zu zentralen Themen wie Fernwärme, Erzeugung und Contracting hat. Besonders im Bereich der kommunalen Wärmeplanung werden die Innungen und Fachbetriebe eine noch größere Rolle spielen. Eine gestärkte operative Zusammenarbeit hilft uns, die Anforderungen aus den großen Versorgungsstrategien direkt in die handwerkliche Umsetzung zu übersetzen.“

Wenn wir in drei Jahren auf die heutige Amtsübergabe zurückblicken: Welches sind in diesem Zeitraum Ihre vorrangingen gemeinsamen Ziele für die EnergieGemeinschaft?

Martin Sattler: „Unser Schwerpunkt liegt klar auf einem noch intensiveren Austausch zwischen Handwerk und Mainova – also genau dem, wofür die EGRM gegründet wurde. Wir wollen unser Schulungsangebot weiter ausbauen und noch praxisnäher gestalten. Aktuell prüfen wir Kooperationen mit dem DVGW und dem ZVEH, um moderne, hochwertige Qualifizierungen anbieten zu können.“

Martin Giehl: „Für mich steht im Vordergrund, die EGRM als strategischen Partner in der regionalen Energiewende zu stärken. Das bedeutet: frühzeitige technische Informationen, gemeinsame Standards und die kontinuierliche Einbindung der Handwerksbetriebe bei der Umsetzung von Fernwärmeprojekten, regenerativen Erzeugungsanlagen sowie neuen Versorgungslösungen. Unser Ziel ist es, die EGRM als zentrale Austausch- und Innovationsplattform der Region weiterzuentwickeln – damit wir in drei Jahren sagen können: Die Energiewende im Rhein-Main-Gebiet findet gemeinsam statt.“

Herr Sattler, in Ihrer Funktion sind Sie das Bindeglied zum Handwerk. Die Branche steht unter Druck: Fachkräftemangel trifft auf enorme Nachfrage durch die Energiewende. Wie unterstützt die EnergieGemeinschaft die Betriebe ganz konkret?

„Der Fachkräftemangel belastet alle Gewerke – gleichzeitig benötigen wir für die Energiewende mehr qualifizierte Fachleute als je zuvor. Die EGRM unterstützt deshalb ganz konkret mit sehr praxisnahen, meist kostenfreien Weiterbildungen, die wir zunehmend auch hybrid anbieten, um die Teilnahme zu erleichtern. Darüber hinaus erweitert Mainova ihr etabliertes Ausbildungszentrum und ist ein wichtiger Ausbildungsbetrieb in der Region – ein klarer Beitrag, um Nachwuchskräfte zu gewinnen und langfristig zu sichern. So wirken wir gemeinsam dem Fachkräftemangel entgegen.“

Die Reform des „Heizungsgesetzes“ ist im vollen Gange, das neue Gesetz jedoch noch nicht verabschiedet. Was glauben Sie, welche Auswirkungen die Reform im Hinblick auf Neu-Installationen haben wird? 

Martin Sattler: „Wir beobachten die Gesetzesinitiativen sehr aufmerksam – sowohl als EGRM als auch bei Mainova. Wir rechnen mit einem deutlichen Ausbau sowohl dezentraler Erzeugung wie Photovoltaik als auch von Nah- und Fernwärme. Die EGRM unterstützt die Vertragsinstallateure bei technischen Fragen, Messkonzepten oder Schnittstellen zur Mainova, damit neue Anlagen schnell und korrekt realisiert werden können.“

Martin Giehl: „Die Reform bringt Klarheit – und das ist entscheidend für Investitionsentscheidungen von Hauseigentümern wie auch für die Planung im Handwerk. Wir erwarten steigende Nachfrage nach erneuerbaren Wärmelösungen und effizienten Netzanbindungen. Wichtig ist: Die Energiezukunft wird vielfältiger. Unsere Rolle ist es, diese Vielfalt gemeinsam mit dem Handwerk in robuste, funktionierende Lösungen zu übersetzen.“

Blitzgefragt: 4 Fragen in 4 Sekunden

1. Wenn Sie der EGRM eine Überschrift für die nächsten drei Jahre geben müssten – wie würde diese lauten? 

Martin Sattler: „EGRM als Bindeglied zwischen Handwerk und Mainova.“

Martin Giehl: „Gemeinsam gestalten wir die Energiezukunft im Rhein-Main-Gebiet – praxisnah, innovativ und im Dialog.“

2. Was dominiert das Rhein-Main-Gebiet in den nächsten zehn Jahren: Wasserstoff oder Wärmepumpe?

Martin Giehl: „Fernwärme und Wärmepumpe.“

Martin Sattler: „Absolut“

3. Lieber ein strukturiertes Meeting oder Handwerkerfrühstück?

Martin Giehl: „Ich tendiere klar zum strukturierten Meeting.“

Martin Sattler: „Ich denke, die Mischung macht’s. Aus zeitlichen Gründen sind strukturierte Formate einfach effizienter.“

4. Für den Weg ins Büro: E-Auto oder Fahrrad?

Martin Giehl: „E-Auto, schon immer praktiziert.“

Martin Sattler: „Hybrid bei mir.“

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