Interview mit Peter Paul Thoma

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16 Jahre Weitblick, Wandel und Tatkraft: Peter Paul Thoma zieht Bilanz

Über ein Jahrzehnt lang hat Dipl.-Ing. Peter Paul Thoma die Geschicke der SHK-Innung Frankfurt am Main als Obermeister maßgeblich geprägt und im Vorstand der EnergieGemeinschaft RheinMain als wichtiger Impulsgeber zwischen Handwerk und Energiewirtschaft agiert. Nun übergibt der erfahrene Handwerksfunktionär und Frankfurter Stadtverordnete seine Ämter in neue Hände. Im großen Abschiedsinterview blickt er auf wichtige Meilensteine, erfolgreiche Synergien und die Zukunftsfähigkeit des Handwerks im Rhein-Main-Gebiet zurück und verrät, welche Chancen er für die nächste Generation sieht.

 

Herr Thoma, Sie haben die SHK Innung Frankfurt für 16 Jahre als Obermeister geleitet. Das ist eine lange Zeit! Was war Ihr persönlich größter Erfolg für die Betriebe in der Region?

„Für unsere Mitgliedsbetriebe der SHK Innung Frankfurt stechen zwei Erfolge besonders heraus:

Zum einen die Rückkehr in den Landesverband SHK Hessen und den Zentralverband ZVSHK. Erst durch diese Mitgliedschaft haben unsere Betriebe wieder eine starke Vertretung gegenüber der Landes- und Bundespolitik sowie vollen Zugriff auf die Bildungsangebote der Verbände. Regionale Alleingänge schaden der Gemeinschaft und schwächen das Handwerk.

Zum anderen der Beitritt zur Kreishandwerkerschaft Gießen unter der Führung von Geschäftsführer Björn Hendrischke, der auch den Landesverband leitet. Als ehrenamtlicher Obermeister kann man die volle Stelle einer Geschäftsführung nicht neben dem eigenen Betrieb stemmen. Mit der KH Gießen haben wir eine hochprofessionelle Struktur gewonnen: Unsere Mitglieder profitieren heute von kostenloser Rechts- und Wirtschaftsberatung, einer reibungslosen Organisation der Berufsausbildung und ständiger Erreichbarkeit.“

Welcher Unterschied tritt am stärksten hervor, wenn Sie die Anforderungen an einen SHK-Betrieb zu Beginn Ihrer Amtszeit mit denen von heute vergleichen?

„Die Branche hat sich in den letzten Jahren grundlegend gewandelt: Durch vorgefertigte Systeme ist heute tiefes Fachwissen oft wichtiger als das reine handwerkliche Geschick. Diesen Wandel haben wir schon 2010 vorausschauend aufgegriffen. Neben dem klassischen Eckring haben wir ein neues Logo eingeführt – einen Wassertropfen, in dem sich die Frankfurter Skyline spiegelt, kombiniert mit dem Slogan ‚Gutes Klima ist unsere Aufgabe‘. Damit haben wir schon vor 16 Jahren auf den Punkt gebracht, was uns ausmacht: Das gute Klima im Gebäude durch Trinkwasser- und Abwasserhygiene, moderne Heizungen sowie Lüftungstechnik – und ebenso der aktive Beitrag zum weltweiten Klimaschutz durch energieeffiziente Technologien.

Besonders stolz bin ich auf die Kehrtwende in der Ausbildung, die heute eine Schlüsselrolle für die Wärmewende einnimmt. Als ich 2010 antrat, lagen die Durchfallquoten bei dramatischen 60 Prozent. Durch die spürbare Qualitätssteigerung in den Betrieben und in der Prüfungsfortentwicklung bestehen heute deutlich mehr Auszubildende ihre Gesellenprüfung. Zudem gewinnen wir wieder verstärkt Realschüler und Abiturienten mit hervorragenden Leistungen für unseren Beruf.“

Die Ausbildung im SHK-Handwerk lag Ihnen immer am Herzen. Welchen Hebel müssen Innung und Politik jetzt ansetzen, um mehr jungen Menschen das Handwerk schmackhaft zu machen?

„Das Image unseres Handwerks wandelt sich spürbar: Weg von alten Klischees hin zu einem hochtechnischen Berufsfeld. Wer heute Wärmepumpen, Lüftungskonzepte und Solaranlagen mit komplexer Regelungstechnik installiert, sichert sich gute Verdienstmöglichkeiten, hilft dem Klimaschutz und leistet einen echten Beitrag für die Gesellschaft. Während manche traditionelle Büroberufe durch KI unter Druck geraten, ist das Handwerk zukunftssicherer denn je. Unsere Vorstandsmitglieder tragen diese Perspektive aktiv in die Schulen. Von der Politik wünsche ich mir hier noch mehr Rückenwind – etwa durch Azubi-Wohnheime und eine gestärkte Berufsschulinfrastruktur.

Ein ganz besonderes Highlight ist unser bundesweites Alleinstellungsmerkmal: das Projekt ‚Plumbing Champions‘ in Kooperation mit dem World Plumbing Council. Alle zwei Jahre kommen zur Leitmesse ISH Auszubildende aus aller Welt in Frankfurt zusammen, um gemeinnützige Einrichtungen kostenlos zu sanieren. Nach erfolgreichen Projekten in der Niddahalle der Eintracht Frankfurt (2023) und einem Musikbunker (2025) steht für März 2027 das Kommunikationszentrum der Uni Frankfurt auf dem Plan. Dieses Herzensprojekt werde ich mit voller Unterstützung des Innungsvorstandes auch weiterhin mit großem Engagement begleiten.

Die EnergieGemeinschaft RheinMain bringt Handwerk und Energieversorger an einen Tisch. Welche besonderen Synergien und Stärken sind aus diesem engen Schulterschluss in Ihrer Vorstandszeit entstanden?

„Die Synergien liegen auf der Hand: Mainova und unsere Fachbetriebe teilen sich dieselben Endkunden und sind über die Netze technisch direkt miteinander verbunden. Natürlich gibt es an den Schnittstellen immer wieder Punkte, die abgestimmt werden müssen – das hat in den vergangenen 16 Jahren größtenteils partnerschaftlich und zur vollen Zufriedenheit beider Seiten funktioniert.

Wichtig ist dabei das klare, bewährte Rollenverständnis: Mainova sichert die zuverlässige Energieversorgung, und unsere Meisterbetriebe installieren und betreuen die Anlagen vor Ort. Diese Aufgabenteilung ist ein echtes Erfolgsmodell für Frankfurt. Sie schützt den fairen Wettbewerb, verhindert Monopolstrukturen und sichert unseren Betrieben ihre Aufträge. Genau diesen kooperativen Kurs sollten beide Partner auch in Zukunft konsequent weiterverfolgen.“

Frankfurt steht bei der Wärmewende vor enormen Herausforderungen. Wo hakt es aus Ihrer Sicht als Sachverständiger und Ingenieur derzeit noch am meisten?

„Die Kommunale Wärmeplanung bleibt für Eigentümer und Betriebe schlicht zu unverbindlich. Ungewisse Perspektiven auf einen Fernwärmeanschluss bis 2030 oder 2035 helfen niemandem, wenn heute der Kessel ausfällt. Zudem droht der vorliegende Beschlussentwurf durch satzungsrechtliche Hintertüren aus der beworbenen Freiwilligkeit rasch einen Anschlusszwang zu machen.

Ein gravierendes Hindernis ist der Frankfurter Milieuschutz: Dass die Baubehörde verlangt, alte Kessel nicht vor 30 Betriebsjahren auszutauschen, ist technisch wie ökologisch widersinnig. Mein aktuelles Gutachten belegt klar, dass dieses Merkblatt rechtlich und technisch unhaltbar ist – eine juristische Prüfung werde ich veranlassen. Schließlich unterschätzen wir die immense Kostenlast bei der Umstellung von Gas-Etagenheizungen, die pro Wohnung oft bei mindestens 15.000 Euro liegt. Wenn Eigentümer deshalb auf dezentrale Klimageräte zum Heizen und Kühlen ausweichen, droht das Ende der klassischen Warmwasserheizung – was auch die Fernwärme unwirtschaftlich machen würde.“

Ob Energiewende, Pandemie oder die rasante Weiterentwicklung der Gesetzgebung: Welche Phase hat Sie in Ihrer Rolle als Obermeister am meisten gefordert?

„Von der EnEV über das GEG bis zum aktuellen Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG): Die regulatorischen Vorgaben haben massiv zugenommen und brauchten viel Aufklärungsarbeit. Durch meine Arbeit als Sachverständiger und die Vernetzung zum ZVSHK und den Energieversorgern konnte ich unseren Betrieben hier stets als Orientierungshilfe zur Seite stehen.

Dennoch gibt es in der Praxis weiter Klärungsbedarf – etwa bei den Grenzen für fossile Kessel im Neubau oder dem Thema Wohnungslüftung. Hier muss ich jedoch eine Lanze für das Handwerk brechen: Mängel liegen selten bei unseren Betrieben, sondern häufig an fehlerhaften Vorgaben von Architekten und Planern. Selbst die Hersteller beherrschen die komplexen technischen Regeln nicht immer lückenlos.“

 

Welchen zentralen Tipp oder auch Leitgedanken geben Sie Ihren Nachfolgern mit auf den Weg, um das Handwerk und die Energiewirtschaft in Frankfurt zukunftsfähig zu gestalten?

„Für mich galt im Vorstand stets: gemeinschaftlich denken, offen diskutieren und nach Beschlüssen geschlossen handeln. Als Ehrenobermeister stehe ich meinem Nachfolger und dem Team jederzeit gerne mit Rat zur Seite – gleichzeitig muss und soll der neue Vorstand seinen ganz eigenen Weg gestalten. Für diesen Weg gebe ich zwei Empfehlungen mit: Erstens, halten Sie den direkten Dialog mit den kommunalen Entscheidungsträgern wie dem Klimareferat und dem Energiepunkt Frankfurt. Unsere Betriebe setzen die Beschlüsse vor Ort um, deshalb muss unsere Praxiserfahrung Gehör finden. Zweitens, setzen Sie konsequent auf Fortbildung, denn die Halbwertszeit von Wissen schrumpft rasend schnell.

Mein Leitgedanke bleibt: Zur Wärmewende gibt es keine Alternative. Regenerative Energien sind Freiheitsenergien, die uns unabhängig machen. Allerdings darf diese Transformation die Menschen finanziell nicht überfordern – die immense Kostenlast darf nicht einseitig den Hauseigentümern und dem Handwerk aufgebürdet werden, hier ist die gesamte Gesellschaft gefordert.“

Wenn Sie Ihre Zeit als Obermeister in einem Satz zusammenfassen müssten, welcher wäre das?

„Ein Satz? Gutes Klima ist unsere Aufgabe! Und dafür war ich gerne ehrenamtlich tätig.“

Sie ziehen sich aus den Ehrenämtern zurück, bleiben aber als Sachverständiger, Ingenieur und Kommunalpolitiker aktiv. Worauf werden Sie sich künftig konzentrieren?

„Ende August werde ich 68 und ziehe mich aus der Spitze der Innung zurück. Als Ehrenobermeister bleibe ich dem Handwerk jedoch als ‚Außenminister‘ erhalten – die internationale Vernetzung liegt mir enorm am Herzen. Mein großer Traum ist es, künftig in den Sommerferien internationale Auszubildende für Theorie und Praxis nach Frankfurt einzuladen, idealerweise am neuen Campus Berufliche Bildung. Dafür suche ich übrigens noch Sponsoren!

Beruflich bleibe ich als Ingenieur und Sachverständiger noch bis zu meinem 71. Geburtstag aktiv. Der Kommunalpolitik bleibe ich weiterhin als interessierter Beobachter verbunden, trete aber nicht mehr aktiv für neue Mandate an.“

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